Schifferlfahrn, essen, trinken - lustig sein !

Schiffstagebuch Grado

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Caorle ein Alptraum

06.09.2018 07:36

02.09.2018

Gewitter in der Nacht, aber Frühstück bei Sonnenschein an Bord der Chicca im Heimathafen von Grado. Ich muß noch zum Bankomat, der Geldbeutel ist leer, nehme einen "liscio" in der Bar Bomben und starte nach der Rückkehr die Chicca. Heute Sonntag sollte man schon um 11:00 Uhr auf der Insel Barbana sein um noch einen Liegeplatz zu ergattern. Gesagt, getan - wir bekommen einen Platz an der Hafenmauer, reservieren bei Renato auch gleich einen Tisch für das Mittagessen. Dann relaxen auf der Insel, kurzer Spaziergang,dann ein feines Mittagsmahl - heute mal zur Abwechslung Calamari fritti mit Salat. Um 14:00 Uhr warten noch immer viele Gäste auf einen Sitzplatz, deshalb geben wir unsere Plätze frei und fahren zum Baden auf's Meer. Das Wasser hat schon wieder 23° und es ist angenehm, weil keine Wellen und fast kein Wind das Meer wie einen See erscheinen lassen. Einen neuen Wegpunkt auf der Insel hab ich auch geschaffen, nachdem der "alte" wohl von Gästen zweckentfremdet wurde. Zurück in Grado erstmal unter die Dusche, dann ab in die Altstadt, wir treffen Mitzner's, nehmen einen gemeinsamen Drink in der Bar "chesa", noch ein Gelato un zurück aufs Boot, Tatort im TV. Nachtruhe 22:30 Uhr, morgen geht es nach Caorle.......

03.09.2018

Grau in Grau ist der Himmel am Morgen in Grado, in Monfalcone gibt es gerade ein Gewitter, wir radeln in die Bar Bomben zum Frühstück. Zurück an Bord Motorcheck und um 09:10 Uhr starten wir unsere 4 tägige Lagunenfahrt nach Caorle. Kurs 270° direkt vorbei an Lignano zum Fluß Tagliamento, dann Flußaufwärts zu Willy, hier wollten wir eigentlich Mittagessen. Wir sind zu Früh und müssten fast 40 Minuten warten bis das Lokal aufsperrt, also Weiterfahrt im Kanal Bacino nach Bibione und weiter zum Mazarack. Wir bekommen eine Box zum Anlegen und genießen Pasta, Muscheln und Nachspeise, verzichten auf ein Mittagspäuschen und nehmen die letzten 10 Sm nach Caorle in Angriff. Leider ist die Drehbrücke in Grado geschlossen, wir haben die letzte Öffnung um 10 Minuten verpasst und auch auf Anruf wird sie nicht mehr geöffnet. die Brücke hat jetzt fixe Öffnungszeiten - warten ist angesagt. Gott sei Dank finden wir eine Pontile zum Anlegen und relaxen am Ufer, um 16:30 Uhr können wir passieren, kurz darauf legen wir in der Marina Orologia an, bekommen Platz 32 zugewiesen. Guter Platz, direkt bei den Duschen und sehr nahe am Ausgang zur Stadt. Ein Altstadt Bummel in Caorle ist Pflicht, machen wir auch und treffen trotz Menschenmassen auf Alexandra und Gerhard aus unserem Freundeskreis. Ein ausgedehnter Spaziergang bis 23:00 Uhr wird es in den engen Gassen der Altstadt. Dann geht es zurück in die Marina und in die Kojen.

04.09.2018

Herrliche Ruhe in der Marina, das Boot ist sehr feucht, muss die Persenning noch geschlossen halten bis die Sonne sie abtrocknet. Dann Frühstück in der Morgensonne an Bord, um 08:50 Uhr verlassen wir die Marina, wollen heute den Canale Nicolossi und den Fluß Lemene erkunden. Pünktlich um 09:00 Uhr können wir die Drehbrücke wieder passieren, sparen uns dadurch einen 8 km Umweg übers Meer und cruisen gen Norden zum Canale. Flussaufwärts fahren wir bis zum Kern des Naturschutzgebietes, dort wenden wir und wollen in den Fluß Lemene fahren, hier soll es ein Agriturismo geben, "da Nico" mit Anlegeplätzen am Ufer für seine Gäste. Wir fahren gegen die Strömung den Fluß Lemen hoch als es plötzlich einen lauten Knall macht, zuerst dachte ich an den Riss meines Keilriemens, dann beginnt der Motor wie wild zu vibrieren, schlägt an die Umrandung, läuft absolut unruhig. Ich kupple aus, der Motor beruhigt sich und wir fahren mit Restgeschwindikeit und Strömung auf eine Drehbrücke zu, welche für eine Durchfahrt nicht hoch genug ist. Also versuche ich den Retourgang einzulegen um das Boot zu bremsen, wieder beutelt es den Motor wie wild, aber ich kann so wenigstens "bremsen"! Ich muss reagieren, lege das Ruder Backbord und versuche den Vorwärtsgang einzulegen. Es kracht und scheppert, aber ich kann das Boot" umdrehen um nicht in die Brücke zu fahren, komme so an die Uferböschung, kann von Bord an Land steigen und das Boot mit einer Leine am Ufer fixieren. Motor aus und erst mal durchschnaufen - dann höre ich Wasser ins Boot eindringen, wie wenn jemand einen Wasserhahn geöffnet hätte. Ich öffne den Motorraum, höre es noch deutlicher, sehe aber nicht wo das Wasser eindringt, sehe aber eine gebrochene Motorenhalterung. Vorsorglich schalte ich mal die Bilgenpumpe ein, räume den Tisch aus der Pflicht ans Ufer, die Teppiche werfe ich auch raus, damit ich zur Revisionsöffnung der Antriebswelle komme. Dann sehe ich, dass die Antriebswelle gerissen ist und dort Wasser ins Boot eindringt. Leider kommt mehr Wasser rein als die Bilgenpumpe abpumpen kann! Das ist kein Spaß, die Chicca droht abzusaufen! Ich versuche mit einem Geschirrtuch den Wassereintritt zu verringern, gelingt nur zum Teil jetzt muss ich handeln. Ein Müllsack und ein im Internet bestelltes "Wundertape" helfen dann den Wassereintritt zu stoppen. Vorerst ist die Gefahr des Absuafens mal gestoppt. Was tun sprach Zeus - seahelp anrufen - wozu bin ich den Mitglied bei diesem See Notdienst. Eine freundliche Dame in Kroatien nimmt meine Koordinaten auf 45.38.610 N und 12.52.606 E gebe ich durch, sie verspricht mir einen Rückruf in kürzester Zeit.  Tatsächlich melder sich Mike, ein Mitarbeiter der Basis in Aprilia Marittima, Nahe Lignano und teilt mir mit dass er nun losfährt. Angelegt am Ufer habe ich um 11:10 Uhr, telefoniert um 11:30 Uhr, jetzt ist es 11:38 Uhr - das ging ja flott. Leider hat die Dame bei Seahelp in Kroatien eine Zahl meiner Koordinaten wohl falsch notiert, der Pannenfahrer meldet sich telefonisch nach ca. 1 1/2 Stunden bei mir, bittet mich ihm die Koordinaten nochmals per WhatsApp zu senden, nach weiteren 30 Minuten sind die Helfer vor Ort. Ich kann nur froh sein dass ich den Wassereintritt stoppen konnte, die Bilge ist trocken. 3 Mann sind im Rettungsboot, Mike der Bootsführer, Gabriele und Costel zwei Mitarbeiter, sie nehmen mich an den Haken und wir vereinbaren dass sie mich bis Grado schleppen wollen, es wird zwar dauern aber sie würden es machen. Wir nehmen Fahrt auf und ich merke dass sich mein Ruderblatt nicht bewegen lässt, es ist auf Steuerbord Anschlag fixiert, das Boot lässt sich nur schwer ziehen vom Rettungsboot, weil es immer nach rechts ausbricht.Ich versuche es mit Gewalt, bringe das Ruderblatt in die Mitte ABER dadurch wurde die Schiffsschraube frei, durch die Schleppung beginnt die Schraube sich zu drehen und es reisst meine Abdichtung von Müllsack und Panzertape und wieder dringt Wasser in die Bilge ein. ich nehme den Enterhaken und verkeile damit die gerissene Antriebswelle, sie dreht sich nicht mehr, aber das Wasser dringt wieder ein. Ich signalisiere dem Bootsführer von Seahelp das es wieder ein Problem gibt, wir suchen eine Anlegemöglichkeit und finden einen Schwimmsteg bei der Mündung des Flußes Lemene in den Canal Nicolossi. Mittlerweile hat der Wind aber aufgefrischt auf sicher 4 Bft, die Strömung hier an dieser Stelle hat sicher 2 knt, keine leichte Arbeit, aber gemeinsam schaffen wir es. Wir hängen wieder, das Wasser dringt wieder ien, die Bilgenpumpe läuft ununterbrochen. Panzertape habe ich keines mehr an Bord, also versuche ich die verkeilte Antriebswelle nun mit einem weiteren Müllsack und einem Klebeband ab zu dichten. Auch das gelingt nach ca. 20 Minuten, die Chicca ist zum 2. Mal wieder dicht! Unter diesen Umständen ist eine Schleppung bis Grado, imerhin fast 30 Sm undenkbar, ich muss in den nächsten Hafen mit Kran und das Boot rausnehmen aus dem Wasser. Gudrun, meine Gattin, der italienischen Sprache mächtig, telefoniert mit der Marina in Caorle, diese nennt uns eine Werft wo wir hin müssen! Ein Anruf dort und wir starten los, müssen wieder unter der Drehbrücke durch, zurück nach Caorle. Der Brückenwart öffnet die Brücke, trotz Notfall und Intervention von Seahelp NICHT - wir müssen 1 Stunde warten, Gott sei Dank bleibt die Chicca "dicht", alle 20 Minuten pumpe ich wohl Wasser ab, aber es ist nicht mehr dramatisch. Um 16:30 Uhr öffnet die Brücke, wir passieren und werden in der Werft schon erwartet. Seahelp zieht uns in eine Schleuse, wir fixieren die Chicca und ich habe eine Erleichterung nun zu Wissen, in Kürze steht sie an Land. Wir verabschieden uns von den Mitarbeitern von Seahelp, der Mitgliedsausweis wird fotografiert, das war es - keine Kosten da ich Mitglied bin. Der Mechaniker der Werft kommt, sieht das Maleur und die Chicca wird an Land gehoben. Das Danach ist eine eigene Geschichte Wert, die möchte ich gar nicht Näher kommentiern, nur soviel sei erwähnt: mit dem Taxi nach Grado, dort eine Nacht schlafen im Appartement, dann mit dem Auto wieder nach Caorle, Boot ausräumen, Reparaturauftrag erteilen, Mitte Oktober kann ich meine Chicca vorraussichtlich wieder übernehmen! Die Saison 2018 ist dadurch wohl beendet................................