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Schiffstagebuch Grado

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Karneval in Venedig

22.02.2017 17:47

3 Tages Busreise Karneval in Venedig mit Besuch der Altstadt von Grado -

so lautete der Text der Reise die wir schon im November 2016 gebucht haben. Laut erster Ausschreibung, eine auf den ersten Blick äußerst günstige Reise mit Halbpension, trotz genauem Studium der Ausschreibung hatte ich damal keinen "Haken" bei dieser Sache festgestellt!

Die Geschichte die ich nun nach der Reise erzählen kann, ist aber eine Andere.

Erstmals kam KEINE Bestätigung für die im Internet gebuchte Reise, erst im Dezember, kurz vor Weihnachten, nach meiner telefonischen Urgenz bekomme ich die Reiseunterlagen - plötzlich mit dem Hinweis - Möglichkeit zur Teilnahme an einer interessanten Verkaufsschau. Na wird schon nicht so schlimm sein, ist ja wirklich günstig die Reise, werden wir schon durchstehen.

5 Tage vor dem Termin bekomme ich die Reiseunterlagen mit Abfahrtszeit und Hotel Details. Erster Blick im Internet ist positiv, 4 Sterne Hotel mit Hallenbad - na ja das ist ja schon mal interessant.

Der Bus ist pünktlich an der Abfahrtsstelle, rappelvoll, ist schon seit 07:00 Uhr ab Graz unterwegs. Viele Steirer, Klagenfurter und wir zwei Villacher. Es geht auf die Autobahn und schon die erste Überraschung, Grado wird heute noch besucht und nicht wie ursprünglich geplant am Heimweg. Zweite Überraschung, schon bei der Südrast in Arnoldstein gibt es eine Stunde Pause! Super - es ist ein sonniger Tag, wir vertreten uns ein wenig die Beine, nehmen einen Kaffee im Restaurant, so geht die Zeit auch vorbei. Dann direkt nach Grado, Ankunft um 13:45 - kurz bevor alle Geschäfte schließen, Aufenthalt bis 16:00 Uhr - ein Murren geht durch die Leute - heute kein Shopping! Wir gehen zu Pino bekommen noch eine wunderbare Lasagne und eine Fegato alla veneziana, dazu ein Flascherl vom Pinot, uns geht es als Ortskundigen ja gut. Dann ein Spaziergang auf der Diga in der Sonne, ein Cappuccino auf der Terrasse vom Hotel Marea und wir sitzen dabei in der Sonne- herrlich. Zurück geht es über den Stadthafen wieder zum Hotel Savoy wo der Bus zur Weiterfahrt bereit steht. Mir taten die Ortsunkundigen richtig Leid, sie fanden keine geöffneten Lokale nur an der Diga war die Terrasse vom Betonbunker geöffnet, dort saßen sie dann auch alle unsere Reisekollegen. Pünktlich geht es über die Autostrada weiter nach Lignano zum Hotel, dort stehen schon 3 weitere Busse aus Hornstein und Eisenstadt - das Hotel ist AUSGEBUCHT! Was wir nicht Wissen, alles Gäste von unserem Reiseunternehmer mit dem selben Programm. Na ja wird schon werden, Zimmer sind in Ordnung und warm, Bad ist wirklich sauber und OK. Für 19:00 Uhr ist das Abendessen avisiert, es klappt auch pünktlich, es gibt Riagtoni Amatricana, ein Gulasch mit Polenta und Panna cotta. Der Hauswein um wohlfeile € 10,00 pro Flasche ist nicht schlecht, die Laune ist auch gut - wir sitzen mit Bekannten am Tisch, die wir heuer im Urlaub in Kalabrien kennen gelernt haben und die ebenfalls diese Reise gebucht haben. Danach gibt es an der Hausbar noch einen Montenegro und Wasser, dann ist Nachtruhe angesagt.

Die Nacht war ruhig im Hotel, aber dann folgte das erste Chaos. 200 Leute (4 Busse) wurden für 06:30 Uhr zum Frühstück gebeten, da bereits um 07:45 Uhr die Abfahrt der Busse nach Venedig angesetzt war. Beim Buffet - es gab nur eines - Stau wie in der Hauptreisezeit auf der Tauernautobahn - vom Speisesaal A über Speisesaal B bis in den Vorraum bei der Rezeption, reichte die Schlange der hungrigen Mäuler!  Dann fällt auch noch eine Kaffeemaschine der SB Automaten aus, das Chaos bricht aus. Von hinten beginnen die Leute, in die wartende Schlange an den Wursttellern und Käseplatten zu sprengen - ich brauch keinen Kaffee nur die Wurst und das Brot - so oder ähnlich begann es, später folgten noch Sätze wie: a wolln's ma mitn Messa in Sock eineschnein - oder in der Art. Das Personal steht und schaut, keiner rührt einen Finger es gibt nur den Kommentar, scusi macchina guasto ! Na ja und wenn 200 Leute beim Buffet anstehen sind Wurstplatten halt relativ schnell abgeerntet, der Nachschub aber war behindert, weil immer wieder Staugäste die Kellner mit dem Problem der defekten Maschine konfrontierten! Es änderte sich aber wenig an der Meldung der "Pinguine"  scusi macchina guasto !

Es dauert fast bis 07:30 Uhr, die ersten Gäste begeben sich schon zum Bus, bis sich der Stau einigermaßen auflöste, viele verzichteten auf Kaffee oder auf die Buffetware. Im Bus bei der fast 2 stündigen Anfahrt nach Venedig über die Bundesstrasse war es noch lange Thema bei den Gästen. Dann in Punta Sabbione angekommen sollte das reservierte Boot um 09:45 Uhr mit uns zum Markusplatz fahren, es kommen viele Schiffe aber unseres leider nicht. Erst nach 3 maliger telefonischer Urgenz, der inzwischen zu uns gestossenen Reiseleiterin, kommt das Schiff um 10:30 Uhr, also eine ¾ Stunde zu spät ! Der Druck der Gäste wird groß, die Reiseleiterin, eine Tschechin die fast schlechter italienisch spricht als unsereins, muss die Rückfahrt umbuchen - unser Busgäste  möchten zumindest die geplanten 6 Stunden in Venedig verbringen. Es klappt, der Kapitän bestätigt die Rückfahrt für 17:00 Uhr. Als Venedig Insider Wissen wir natürlich die Hauütströme der Massen zu umgehen und spazieren so durch verträumte kleine Gassen mal zur Rialto Brücke. Immer wieder begegnen uns Masken und Maskierte, der Fotoapparat wir gar nicht mehr ausgeschalten. Danach suchen wir uns im Viertel vom Campo di San Silvestro eine Osteria und haben wirklich Glück ! Die Osteria dai Zemei ist ein Glückstreffer - € 1,00 pro "Ombra"  vom Hauswein, das "Calice" vom Flaschenwein kostet € 1,50 - klar dass da der Durst groß wird! Dazu gibt es die in Venedig üblichen Cicchetti, kleine Brötchen in vielen verschiedenen Sorten. Wir verbringen fast 1 ½ Stunden bei den Zwillingen Massimo und Minimo, wie sie vorgeben zu heißen. Dann brauchen wir eine Unterlage, es ist noch zu Früh für noch mehr Wein und wechseln zu Tiziana in die Ostaria Ruga Rialto wo wir uns mit Spaghetti die nötige Basis für weitere Einkehrschwünge legen. Ein richtiges "Arbeiterlokal" mit Menu operai - Arbeitermenü! SPITZE und wirklich günstig für Venedig - € 10,00 pro Kopf inkl. Getränke - Wasser und halt wieder Wein. Dann müssen wir raus in die Gassen. In der Zwischenzeit ist es schon 14:30 Uhr geworden, wir wollen ja am Markusplatz noch den Parcour der Masken uns ansehen und auch die eine oder andere schöne Maske vor die Linse bekommen. Bei der Herfahrt mit dem Schiff von Punta Sabbione wurde uns gesagt dass wir ja nur diesen einen Tag für Venedig zur Verfügung haben. Der nächste Tag ist ja der Produktpräsentation vorbehalten.

Es werden an die 150 Bilder die ich von den verschiedenen Masken ablichte, dann ist es schon wieder Zeit zur Rückfahrt mit dem Schiff, dann weiter mit dem Bus nach Lignano. Gegen 19:15 Uhr treffen wir im Hotel ein, Abendessen - für den der's braucht ist für 20:00 Uhr angesetzt. Nur heute sind wieder neue Busse eingetroffen, diese Gäste wurden zuerst betreut, so bekommen wir unsere Vorspeise erst gegen 20:45 Uhr, bis alle abgespeist sind ist es 22:00 Uhr - und jetzt mit voller Kugel ins Bett? Nein es gehört ein "Digestivo" her, so kann man nicht einfach schlafen gehen. Heute lernen wir auch den Nachtportier kennen, der in seinem silbernen Anzug mit Gilett (geschätzt aus den 50er Jahren) wiederwillig die Bar betreut, na auch gut, gehen wir halt schlafen. Schlecht angekommen ist noch die Meldung vom Buschauffeur beim Abendessen, dass
das Frühstück für unsere Gruppe wieder für 06:30 Uhr angesetzt wurde, da der Beginn der, zur Teilnahme freien Verkaufsveranstaltung, für 08:00 Uhr angesetzt wurde und vorher alle Koffer im Bus verstaut sein müssen, auch sind die Getränke der beiden Tage noch bei der Rezeption zu begleichen. Am Abend beim Nachtportier war es leider nicht möglich dies zu erledigen.

Also ist heute am dritten Tag der Reise um 07:30 Uhr wieder Stau angesagt, diesmal bei der Rezeption und Bezahlung der "Flüssignahrung". Um 5 Minuten vor 08:00 Uhr tritt eine sehr direkte Blondine auf den Plan und bittet die Teilnehmer unseres Busses zur Verkaufspresentation. Ein etwas "schmieriger" Deutscher Verkaufsprofi beginnt mit seinem Vortrag und versucht von Massagesessel über Viskosematzratzen und Bratpfannenset, Küchenmaschine und Milbensauger, seine Sachen an den Mann oder die Frau zu bringen. Der Erfolg ist mäßig, aber es gibt Leute die zuschlagen. Allerdings zieht sich die "Show" bis gegen 12:30 Uhr hin, mit einer Pipi Pause wie er es auszudrücken pflegte. Zum Schluß dann noch Reiseangebote, Lanolin Pflegeprodukte, Fußcremen, usw. usw.

Das ganze endet mit einer Portion Spaghetti aglio olio, trocken wie ein Staubwedel aber scharf wie ungarische Pustawurst. Dazu Wasser naturale, schadet ja nicht die Leber wieder ein wenig zu entlasten. Um 13:15 Uhr dann rein in den Bus und Kurs Richtung Heimat, Pause dann aber schon wieder nach Pontebba, kurz vor der Zahlstelle der Autobahn. Unser Chauffeur Adme aus dem Kosovo bringt uns nach Villach und lässt sich auch umdirigieren, fährt nicht zum Willroider Parkplatz (der Einstiegsstelle) sondern bringt uns direkt zum KFZ Doc wo unser Honda CR-V beim Service steht.

Ende gut - alles gut, trotzdem nie wieder eine Reise mit Produktinformationsveranstaltung - das haben wir gelernt. Lieber ein paar Kröten mehr ausgeben, individuell oder mit Kärntner Busunternehmer und ein wenig entspannter den Karneval in Venedig erleben! Ach ja und das Wetter war in Kärnten alle 3 Tage sonnig, in Grado hatten wir auch Sonne, aber Venedig präsentierte nach dem Song von Charles Aznavour "triste Venice"